EVE

Ich verlasse die Party, hole mein Auto beim Valet-Parkservice ab und mache mich auf den Weg zurück in meine Wohnung.

Zeit, mir die Kriegsbemalung aufzutragen.

Eine Sache habe ich dir bisher gewissermaßen verschwiegen: Ich bin eine ehemalige Hackerin.

Mit sieben habe ich angefangen, an Computern herumzuspielen. Ich habe den PC meines Vaters geschrottet, und maaaann, war der sauer! Aber statt mich zu bestrafen, hat er einfach einen neuen gekauft und gemeint: »Eve, der kaputte gehört dir. Mach damit, was du willst, aber fass meinen nie wieder an.«

Innerhalb von drei Wochen hatte ich gelernt, wie man verschiedene Betriebssysteme installiert, habe mit UNIX herumgespielt und bla bla bla. Interessiert dich eh nicht.

Es reicht zu sagen: Mit fünfzehn war ich eine astreine Hackerin. Ich bin in die Website des Verteidigungsministeriums eingedrungen. Ich war ein hohes Mitglied bei Anonymous (Hacker, die versuchen, gesellschaftliches Unrecht zu korrigieren). Meine Spezialität war es, Racheporno-Seiten plattzumachen und die Bankkonten der Betreiber abzufackeln.

Doch als ich 17 war, wurde mein Kumpel Mailin erwischt.

Mailin war in der Highschool so was Ähnliches wie mein fester Freund, obwohl wir uns nie geküsst oder auch nur Händchen gehalten hatten. Aber wir waren unrennbar. Er war ebenfalls Hacker, wenn auch nicht so gut wie ich. Genau deshalb wurde er erwischt. Er war schlampig beim Verwischen seiner Spuren. Wir haben nie wirklich Schaden angerichtet – der Kick bestand allein darin, in die Webserver von Regierungen und Konzernen einzudringen –, aber das FBI sah das anders.

Sie kamen tatsächlich zu ihm nach Hause und haben ihn verhaftet. Es war in den Nachrichten und allem Drum und Dran. Ich habe ihn tagelang nicht gesehen und war völlig aufgelöst. Als er endlich wieder nach Hause durfte, erzählte er mir: »Sie haben mir einen Deal angeboten. Ich habe versprochen, nie wieder eine Website der US-Regierung oder eines Konzerns zu hacken … und ich muss sieben Jahre lang für sie arbeiten. Danach kann ich tun, was ich will.«

»Sieben Jahre?! Du musst sieben Jahre lang fürs FBI arbeiten?!«

»Entweder das, oder ich gehe für zwanzig Jahre in den Knast.«

Zum ersten Mal wurde mir klar, dass das, was ich tat, kein Spiel war. Oder zumindest war es ein Spiel – aber eines mit verdammt ernsthaften Konsequenzen, wenn man die Regeln brach und erwischt wurde.

So wie ich das sah, war es das nicht wert, erwischt zu werden.

Und wenn das FBI Mailin wegen seiner Fähigkeiten 20 Jahre Knast erließ … dann war ich mir ziemlich sicher, dass mir jemand einen Haufen Kohle zahlen würde, wenn ich dasselbe für ihn tue.

Ich ging ans MIT. Ich bin in zwei Jahren durch alle Bachelor-Kurse durchgerauscht. Habe Master-Kurse belegt, obwohl sie mich offiziell noch gar nicht für das Master-Programm zugelassen hatten. In meinem letzten Jahr wurde ich von der IT-Sicherheitsfirma rekrutiert, für die ich jetzt arbeite. Seit drei Jahren bin ich nun dort. Ich habe die ganze Zeit meinen White Hat getragen. Nie das Gesetz gebrochen, nie aus der Reihe getanzt, nie wieder auf eigene Faust gehandelt.

Aber irgendein Milliardärs-Arschloch hatte mich gerade verarscht – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes –, und mit dem White Hat kam ich hier nicht weiter. Also griff ich ganz hinten in meinen Kleiderschrank, staubte den Black Hat ab und setzte ihn wieder auf.

Er passte mir wie angegossen.

Zeit, sich Grant Carlson vorzuknöpfen.

Arschloch.

Die Hollywood Charity Gala war am Samstagabend. Ich habe mich in der Sekunde an die Arbeit gemacht, als ich nach Hause kam, und durchgearbeitet – unterstützt von Unmengen an Kaffee.

Ich weiß, das klingt für dich wahrscheinlich schrecklich, aber ich bin ein Computer-Freak. Vierundzwanzig Stunden Hacken ist meine Version von Besaufen im Club und Afterparty.

Ich will dich nicht langweilen, aber bis Sonntagabend hatte ich mich in jeden Winkel des Internets vorgearbeitet, den ich finden konnte, um Wege zu suchen, Grant Carlson so richtig eins auszuwischen.

Er war ein gerissener Hund, das muss man ihm lassen.

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