EVE

Und dann kehre ich allmählich in die Realität zurück.

Ich kann nicht glauben, dass ich das gerade getan habe.

Ich.

Kann.

NICHT.

GLAUBEN.

Dass.

Ich.

Das.

Gerade.

Getan.

Habe.

Ich greife nach einer Schachtel Papiertücher auf meinem Schreibtisch, und wir tun unser Bestes, uns halbwegs sauber zu machen.

Ich würde ihn irgendwie gerne sauber wischen – nur um seinen Körper noch einmal berühren zu können –, aber ich bin viel zu verlegen. Also konzentriere ich mich einfach auf mich selbst.

Ich streiche meinen Rock glatt, ziehe meine Unterwäsche an und richte meine Bluse und meine Haare. Er knöpft sein Hemd zu und steckt es in die Hose, lässt die Krawatte aber offen, als würde er sich nach einem besonders stressigen Arbeitstag zu Hause entspannen.

Beschämt ziehe ich mich ans andere Ende des Raumes zurück und verschränke defensiv die Arme vor der Brust.

»Okay … das ist also gerade wirklich passiert«, murmle ich leise vor mich hin.

Anscheinend nicht leise genug, denn sein Gesicht erstrahlt in einem breiten Lächeln. »Ja, das ist es.«

Ich kann NICHT GLAUBEN, dass ich gerade mit diesem Typen (obwohl, um ehrlich zu sein: HEILIGE SCHEISSE, das war absolut umwerfend) in meinem Büro geschlafen habe. An einem Montagmorgen. Zehn Meter von meinen Kollegen entfernt.

Mit einem Post-it an meiner Tür, das ihnen mitteilt, dass ich in einer »Besprechung« bin und nicht gestört werden darf.

Das passiert nicht das passiert nicht das passiert nicht.

»Warum bist du hier?«, fordere ich zu wissen.

»Abgesehen von dem, was wir die letzten zwanzig Minuten getan haben?«, fragt er mit einem diebischen Grinsen.

»Ja, abgesehen davon«, finstere ich ihn an.

»Um dir dein Handy zurückzugeben, erinnerst du dich?«

Ich funkle ihn an. »Warum bist du wirklich hier?«

Plötzlich ist er ganz Geschäftsmann. Das Grinsen verschwindet, und sein Gesicht wird ernst. »Ich musste sichergehen, dass du gut genug bist.«

Ich starre ihn an. »… was?!«

Das Grinsen kehrt zurück. »Ich rede nicht vom Sex. Ich meine, der war unglaublich, aber –«

Ich winke wild mit den Händen. »Hör auf, darüber zu reden – darüber! – und sag mir einfach, warum du hier bist!«

»Schon vor Samstagabend wollte ich dich einstellen – als Spezialistin für IT-Sicherheit. Ich habe mich an deine Firma gewandt, um jemanden zu finden, der mir bei einem Problem helfen kann. Ich brauche die Beste, die es gibt, und du wurdest mir wärmstens empfohlen.«

»Und deshalb hast du mich in einem Geheimgang verführt?!«

»Nein, das habe ich nur zum Spaß gemacht. Du warst viel heißer, als man mich glauben machen wollte.«

Dieser Typ – dieses verdammte Arschloch –

»Du fängst besser ganz schnell an, dich zu erklären«, schäume ich vor Wut.

»Dein Handy zu stehlen war ein Test. Ich wollte, dass du hinter mir her bist. Ich habe meine Leute deine Fortschritte überwachen lassen. Ich wollte sehen, wie tief du eindringen kannst. Wie sich herausstellt, hast du selbst die Erwartungen meiner besten Tech-Jungs übertroffen. Die Sache mit meinen 27 Konten in St. Lucia und auf den Seychellen? Nette Note.«

»… deine besten Tech-Jungs?«, frage ich verständnislos.

»Ich habe ein ganzes Team.«

»Wofür brauchst du mich dann?«

»Ich brauche jemanden von außerhalb. Jemanden, der nicht mit mir in Verbindung gebracht wird. Paradoxerweise ist eine Fremde die einzige Person, der ich im Moment vertrauen kann. Ich weiß nicht, ob er an meine Leute herankommt, und dieses Risiko will ich nicht eingehen.«

Zu begreifen, was Grant da sagt, fällt mir etwas schwer, da mein Gehirn nach dem Orgasmus immer noch völlig vernebelt ist. »Wenn er an deine Leute herankommt? Wer ist er

Grant schüttelt den Kopf. »Ich weiß es nicht.«

Ich presse die Hand gegen meine Stirn, als hätte ich dröhnende Kopfschmerzen. »Pass auf, ich weiß nicht, wovon zur Hölle du redest, aber –«

»Ich habe mir deine Vergangenheit angesehen. Ich weiß von den Hacks, als du ein Teenager warst. Ich weiß von Anonymous, ich weiß von deinem Kumpel Mailin, ich weiß vom MIT. Ich weiß, wozu du fähig bist. Aber ich musste herausfinden, ob du immer noch den Instinkt einer Raubkatze hast. Es sieht so aus, als hättest du ihn – und genau das brauche ich.«

Ich starre ihn an.

Er weiß von Mailin.

Er weiß von den Hacks.

»… woher …?«

»Im Moment nicht wichtig. Wichtig ist, dass ich deine Dienste bereits bezahlt habe, indem ich deine Firma engagiert habe, aber ich muss wissen, ob du dabei bist. Mein Leben steht hier möglicherweise auf dem Spiel.«

»Ich verstehe nicht.«

Er beugt sich eindringlich vor. »Ich muss wissen, ob ich dir vertrauen kann. Voll und ganz.«

»Wie vertrauen?«

»Als Hackerin. Als IT-Sicherheitsexpertin.«

»Pass auf, ich kann deine Systeme testen, die Sicherheitslücken schließen, die ich finde, und dafür sorgen, dass niemand –«

»Das ist nicht das, was ich brauche.«

Gott, ich möchte diesen Typen am liebsten erschießen. Er dreht sich einfach weiter im Kreis.

»Warum kommst du nicht verdammt noch mal auf den Punkt und sagst mir genau, was los ist?«, fahre ich ihn an.

Er sieht mich eine gefühlte Ewigkeit an, als würde er mich abwägen. Als wollte er sehen, ob ich würdig bin. Schließlich nickt er, als hätte er eine Entscheidung getroffen.

»Jemand versucht, mich zu töten. Und ich brauche deine Hilfe, um ihn zu finden … bevor er mich erwischt.«

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