Mundo ficciónIniciar sesiónSie hatte schon immer diese passive Art an sich gehabt und anderen die Kontrolle über ihr Leben überlassen. Sie hatte stets geglaubt, alles geschähe nur zu ihrem Besten, doch jetzt, im Angesicht dieser Szene, wurde ihr der fatale Fehler bewusst, den sie begangen hatte.
Der Mann legte seiner Schwägerin einen Bademantel um, in dem Versuch, ihre Blöße zu bedecken – eine beschützende Geste, die schmerzhaft zuvorkommend wirkte. Zu Madison war er nie so gewesen; im Gegenteil, er hatte sie stets grob behandelt, und sie konnte sich diesen Vergleich einfach nicht verkneifen.
Ein Anflug von Genugtuung spiegelte sich in Cesares Gesicht wider, als er bemerkte, wie seine Frau davor zurückschreckte, auf den Konflikt zu reagieren. Das gefiel ihm außerordentlich gut, auch wenn ihn die Ehe alles andere als glücklich machte. Mit geradezu zynischer Selbstverständlichkeit zog er seine Anzughose und sein Hemd an.
„Nun, da wir das geklärt hätten … meine liebe Frau, das hier ist meine Geliebte.“ Er sagte das mit einer derartigen Selbstverständlichkeit, dass er völlig überrumpelt war, als ihn um ein Haar eine Vase am Kopf traf.
Er musste noch einige Male ausweichen, während Madison zum allerersten Mal in ihrem Leben wie ein normaler Mensch reagierte. Befreit von den Fesseln ihrer strengen Erziehung, fernab von all dem Prunk und der Heuchelei einer perfekten Welt, packte sie das fast durchsichtige Gewand, das ihre Schwester trug, und riss es mit voller Wucht entzwei.
Als sie seine Hände an ihrem Körper spürte, die versuchten, sie zu bändigen, gab es für Madison kein Halten mehr. Sie tobte und wehrte sich, und ließ all dem freien Lauf, was sich so lange in ihrem Herzen aufgestaut hatte.
„Du bist ein verdammtes Schwein, Cesare! Lass mich los!“, schrie sie aus vollem Hals.
„Du musst dich beruhigen!“, erwiderte er mit gelangweiltem Unterton.
„Warum?“ Sie warf sich mit solcher Wucht nach hinten, dass sich ihre aufwendige Hochsteckfrisur löste. Das Diadem fiel zu Boden und klirrte beim Aufprall.
„Weil ich dich betrogen habe? Brauchst du etwa einen Grund?“ Er behielt seinen üblichen Zynismus bei. „Du weißt ganz genau, dass unsere Ehe ein reines Arrangement war. Ich liebe dich nicht.“
Er stöhnte vor Schmerz auf, als ihm ein Ellbogen heftig in die Rippen stieß, und ließ sie endlich los. Er presste die Hände an seine Nieren, um den Aufprall abzufedern. Damit hatte Cesare nicht gerechnet; Madison war immer das „süße, eiskalte Mädchen“ gewesen, die Gehorsame, die nie aus der Fassung geriet.
„Du hast gesagt, dass du mich liebst!“, stieß sie hervor, fast schon spöttisch.
„Das erzähle ich ihnen allen, mein Liebling. Das ist es eben, was Männer sagen, wenn sie eine Frau ins Bett kriegen wollen. Was hast du denn erwartet? Ich hätte nie gedacht, dass ich am Ende wirklich heiraten würde. Du bist doch kaum den Kinderschuhen entwachsen und weißt nicht einmal, wie man es richtig macht.“
Madison starrte in diese hellen, kristallklaren Augen. Der Mann war wahrhaftig wunderschön, aber er war schon immer ein Mistkerl gewesen. Sie dachte an die vielen Male zurück, als er über die Mauer des Internats geklettert war und nur darauf gewartet hatte, dass sie achtzehn wurde, um ihr die Unschuld zu nehmen. Wie naiv sie doch gewesen war. Ein achtundzwanzigjähriger Mann würde so etwas niemals aus Liebe tun. Warum hatte sie niemand davor gewarnt?
„Ich dachte, genau das gefällt dir“, schluchzte sie laut, während ihre rot geschminkten Lippen zitterten.
„Das tut es auch.“ Er kam einen Schritt näher. „Ich liebe es, mit dir zu schlafen und dir Dinge beizubringen. Aber seien wir mal ehrlich: Ein Mann braucht ab und zu etwas Action. Immer nur brav Vater-Mutter-Kind zu spielen, ist auf Dauer einfach ziemlich langweilig.“
Bei diesen Worten schluchzte Madison nur noch heftiger.
„Ich werde für immer aus deinem Leben verschwinden, Cesare Santorini.“
„Nein, mein Liebling. Das wirst du nicht. Du kannst nirgendwohin. Du gehörst jetzt mir, und die Dinge werden genau so laufen, wie ich es will.“
„Willst du mich etwa ans Bett ketten? Du weißt ganz genau, dass das die einzige Möglichkeit ist, mich hier zu behalten.“
„Wenn es sein muss, ja. Dein Vater würde mich umbringen, wenn er das alles herausfände.“
Sara hörte all das mit an und fühlte sich zutiefst gekränkt. Cesare hatte auch ihr seine Liebe geschworen. Sie versuchte, sich klammheimlich aus dem Zimmer zu schleichen.
„Du! Du gehst nirgendwohin“, fauchte Madison und deutete auf ihre Schwester.
„Und du willst mich etwa aufhalten?“ Sara ließ ihren Blick verächtlich von oben bis unten an ihr herabgleiten.
„Sara, rede keinen Unsinn mehr. Es ist besser, wenn du jetzt gehst“, mischte sich Cesare ein.
„Warum? Hast du etwa solche Angst, dein Frauchen zu verlieren? Meine kleine Schwester ist doch eine absolute graue Maus.“







