Versehentlich schwanger vom Tyrannen-Chef
Versehentlich schwanger vom Tyrannen-Chef
Por: Carolis
Livy Clarke

Livy Clarke

Hässlich! Genau so fühlte ich mich in meinem viel zu engen Abendkleid. Während ich die tanzenden Paare beobachtete, verfluchte ich mein eigenes Schicksal. Ich war schon immer vom Pech verfolgt – ohne Geld, ohne Klasse und ohne Schönheit. Dass ich dazu gedrängt wurde, den Lieblingssohn und Erben des Holloway-Imperiums zu heiraten, wirkte anfangs wie ein Geschenk des Himmels, doch es hatte sich für mich in einen wahrhaftigen Albtraum verwandelt.

Mein Blick glitt über die Festgesellschaft, auf der Suche nach dem Mann, den ich liebte und so sehr verehrte. Ich fühlte mich vollkommen einsam, obwohl der schwere Ring an meinem Finger unübersehbar meinen Status als Ehefrau verriet.

Während ich umherging und dabei unweigerlich meinen runden Babybauch vor mir her trug, hörten die Frauen um mich herum nicht auf, über mich zu tuscheln und zu flüstern. Ich sah genau den Moment, in dem eine von ihnen spöttisch auflachte.

„Wie konnte er nur?“, zischelte sie.

„Daren ist wirklich ein eigenartiger Mann. Aber dass er auf sowas steht … Kaum zu glauben!“, pflichtete ihr eine andere bei.

Meine Schwangerschaft im fast sechsten Monat und eine lähmende Nervosität hielten mich davon ab, sie zur Rede zu stellen.

„Livy Holloway!“, rief plötzlich eine der Frauen nach mir.

Ich überlegte fieberhaft, ob mir noch Zeit zur Flucht blieb, doch sie waren schon unfassbar nah und hakten sich geradezu bei mir unter. Ich zwang mir ein steifes Lächeln aufs Gesicht und antwortete: „Hallo, Maila.“

„Ich muss dich mal was fragen.“

„Schieß los.“

„Wie hast du es eigentlich geschafft, Daren zu heiraten?“

Ich sah sie kühl an. Meine Stirn legte sich in Falten, und ich versuchte immer noch zu begreifen, woher sie diese Dreistigkeit nahm. „Wie bitte?“

„Das ist hier die Millionen-Dollar-Frage, Schätzchen!“

„Wir haben es alle bei ihm versucht. Wir wollen alle wissen, wie du ihn rumgekriegt hast. Liegt es am Sex?“

Sex … Der bloße Gedanke daran schmeckte bitter. Ich hatte in unserer gesamten Ehe nur ein einziges Mal mit meinem Mann geschlafen. Daren behauptete stets, er wolle dem Baby nicht wehtun, obwohl die Ärzte uns versichert hatten, dass es absolut unbedenklich sei.

„Ich habe überhaupt nichts gemacht. Ich bin völlig unberührt in die Ehe gegangen!“

Einer der Frauen klappte förmlich die Kinnlade herunter. „Schwer vorstellbar.“

„Dass ich als Jungfrau geheiratet habe?“

„Dass ausgerechnet Daren dich wollte. Das ergibt keinen Sinn. Also, Daren und …“

Ich riss meinen Arm los und entzog mich dem Griff dieser versnobten Weiber. „Ich mag vielleicht keine Schönheit sein, aber er hat nun mal mich geheiratet.“

„Und ich frage mich, ob er damit glücklich ist.“ Maila kaute auf ihrem spitz zulaufenden Fingernagel, während ein süffisantes Lächeln auf ihren vollen, rot geschminkten Lippen erschien.

„Natürlich. Ich meine, er hat eine Frau, die ihn respektiert, und er wird bald Vater.“ Ich glaubte meinen eigenen Worten kaum.

„Ich weiß nicht so recht … Dieses Dinner zu Ehren des verstorbenen Mr. Holloway, und das so kurz nach seinem Tod … Kommt dir das nicht seltsam vor, Livy?“ Sie kostete meinen Namen auf eine merkwürdige, abfällige Art und Weise aus.

Eine Gänsehaut überzog meinen Körper, und zum ersten Mal beschlich mich das Gefühl, dass sie mehr wusste, als sie zugab. Vielleicht hatte die plötzliche Abwesenheit meines Mannes an diesem Abend ja etwas mit ihren Andeutungen zu tun.

„Was weißt du?“, hakte ich nach.

Die Frau lächelte nur. „Bald werden es alle wissen. Hab doch ein bisschen Geduld!“

Ich stand da, als wäre die Zeit stehen geblieben, und starrte sie an. Meine schweißnassen Hände strichen nervös über meinen Bauch, und ich zitterte bei dem Gedanken, dass mein Baby all die Verzweiflung und Unsicherheit spüren könnte, die in mir tobten. Als die Scheinwerfer angingen, versuchte ich, mich abzulenken, und drängte mich näher an die Bühne. Ein großes Foto meines Schwiegervaters prangte dort zu seinen Ehren – doch es wurde von dem Bild meines Mannes noch übertroffen. Ich hätte merken müssen, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmte. Ich hätte diesen Ort der Hölle von Anfang an verlassen sollen.

„Guten Abend!“ Daren betrat die Bühne und hob die Hände, als würde er den Applaus wie einen Tribut fordern. Mit seiner außergewöhnlichen, fast unverschämten Schönheit zog er sofort die Blicke sämtlicher Frauen im Saal auf sich. „Wir sind heute Abend hier zusammengekommen, um dem Inhaber des Holloway-Imperiums und nicht zuletzt meinem Vater unseren bescheidenen Tribut zu zollen!“ Daren legte eine Kunstpause ein, um den Applaus des Publikums genüsslich in sich aufzusaugen.

Mein Blick klebte förmlich an dem Mann, den ich liebte. Ich verstand selbst nicht, warum ich ihn noch abgöttischer verehrte als all die Frauen hinter mir. Als seine Augen schließlich die meinen fanden, strahlte ich vor Glück, und eine Welle der Erleichterung durchflutete meinen Körper. Meine Hände lösten sich von meinem Bauch und stimmten ebenfalls in den Applaus ein.

„Es ist mir eine große Ehre, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass ich der neue CEO der Holloway Industries werde!“ Weiterer Applaus brandete auf, und da stand er, sichtlich stolz auf sich selbst. „Ich möchte Ihnen allen für Ihre Unterstützung danken. Ohne Sie an meiner Seite hätte ich das niemals geschafft.“

Und dann sah Daren mich direkt an. Ich erlebte den perfekten Moment, in dem sich unsere Blicke kreuzten, und konnte mein Lächeln nicht länger zurückhalten. Alle hatten angezweifelt, dass eine arrangierte Ehe zwischen einem begehrten Junggesellen und einer unscheinbaren, mittellosen Frau funktionieren könnte – doch nun würden wir Eltern werden und wir waren glücklich.

Daren hob eine Hand, als bäte er um einen Moment der Stille. Er sah mich mit einem verführerischen Lächeln an und fuhr fort: „Natürlich bin ich überglücklich. Ich muss gestehen, ich hätte mir nie erträumen lassen, eine derart starke Frau an meiner Seite zu haben – eine Frau, die mir die nötige Kraft gibt, diesen steinigen Weg, der vor mir liegt, zu bestreiten.“ Daren sah mich ein letztes Mal intensiv an, bevor er den Blickkontakt brach. „Deshalb bitte ich dich nun, zu mir auf die Bühne zu kommen, mein Schatz.“

Ich war wie erstarrt. Daren wusste genau, wie schüchtern ich war, doch ich würde ihn in einem derart wichtigen Moment niemals enttäuschen. Ich setzte mich in Bewegung, in Richtung der Bühne, doch dann blieb ich abrupt stehen. Es fühlte sich an, als würde jeder einzelne Muskel in meinem Körper schmerzen, und für einen schrecklichen Moment kam es mir so vor, als würde mein Baby darum flehen, meinen Körper zu verlassen.

„Maila! Komm zu mir, mein Schatz.“

Die Leute applaudierten frenetisch weiter. Es war, als ob jeder im Saal Bescheid wusste – außer mir.

Der Boden schien unter meinen Füßen nachzugeben, und mir lief es eiskalt den Rücken herunter. Ich versuchte verzweifelt, den Blick von dem Paar abzuwenden, das sich vor versammelter Mannschaft leidenschaftlich küsste. Mir wurde furchtbar schwindelig, und alles vor meinen Augen verschwamm. Vielleicht sollte ich sogar dankbar dafür sein; zumindest musste ich mir dieses Bild nun nicht länger ansehen.

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