Mundo ficciónIniciar sesiónLivy Clarke
Eine Menschentraube hatte sich um mich herum gebildet. Meine Sicht war noch immer verschwommen, doch mein Blick fand Darens Augen. Ich berührte sein weiches Gesicht und sah ihn eindringlich und mit aufrichtiger Sorge an.
„Ich hatte einen furchtbaren Albtraum!“, gestand ich.
Daren lächelte. „Jetzt ist ja wieder alles gut!“ Nicht einmal der beste Schauspieler der Welt hätte diese Heuchelei so überzeugend spielen können.
„Ich glaube schon. Was ist passiert?“ Als ich mich umsah, wichen die Leute langsam zurück, doch ihr Getuschel war immer noch deutlich zu hören. „Schwach und hässlich …“, „Das hat wirklich niemand verdient“, „Sie war doch schon immer nur ein Klotz am Bein.“
„Du bist in Ohnmacht gefallen!“ Daren nahm meine Hand und half mir auf. Als ich endlich wieder auf eigenen Beinen stand, legte er mir beruhigend die Hand auf den Rücken. „Lass uns nach oben gehen. Wir müssen da etwas klären.“
„Meinst du nicht, dass deine Gäste das unhöflich finden?“, fragte ich in ehrlicher Besorgnis.
„Mach dir darüber keine Gedanken. Wir müssen das hier zuerst aus der Welt schaffen.“
Mir wurde warm ums Herz. Ein Gefühl der Erleichterung durchströmte mich und brachte ein wenig Farbe in mein kreidebleiches Gesicht zurück. Ich wusste nicht, dass Schwangere zu Halluzinationen neigten, aber der Gedanke jagte mir eine Heidenangst ein. Wenn der Rest meiner Schwangerschaft auch so verlaufen würde, würde ich in einem Meer aus Verzweiflung ertrinken.
Vorsichtig stieg ich die Treppe hinauf, Daren dicht hinter mir. „Hier entlang, Livy …“, wies er auf eine angelehnte Tür.
Ich wusste nicht genau warum, aber beim Anblick des abgedunkelten Zimmers vor mir begann mein Herz wie wild zu pochen. Dennoch würde mich nichts davon abhalten, meinem Mann eine gute Ehefrau zu sein, so wie meine Mutter es mich gelehrt hatte …
Maila saß im Sessel von Mr. Holloway und drehte sich darin mit einem Ausdruck blanken Spotts hin und her.
Ich drehte mich zu Daren um und sah ihn an. Das Lächeln lag noch auf meinen Lippen, doch es erstarb allmählich, als mir endlich dämmerte, dass all das keine Einbildung, sondern grausame Realität war. „Was macht sie hier?“, fragte ich, und die pure Empörung schwang in meiner Stimme mit.
„Maila ist meine Cousine. Und wie du weißt, ist sie zudem eine exzellente Anwältin! Von nun an wird sie Holloway Industries vertreten.“
Ich zog die Augenbrauen zusammen. „Und wozu brauchst du mich hier?“
„Heute wirst du die wichtigsten Papiere deines Lebens unterschreiben.“
In meinem Kopf lief ein Film ab. War das wirklich alles nur ein Albtraum gewesen, oder hatte mich Daren Holloway die ganze Zeit über betrogen? „Ihr seid zusammen. Es war überhaupt kein Albtraum, stimmt’s?“
„Nein!“, bestätigte Daren, und auf seinem Gesicht lag noch immer derselbe, belustigte Ausdruck. „Du machst dir wirklich gerne selbst etwas vor, Livy Clarke. Dachtest du ernsthaft, ich würde dich heiraten und dich eines Tages lieben? Nein. So etwas passiert nur in diesen kitschigen Filmen, die du dir so gerne anschaust.“
Tränen stiegen mir in die Augen und verschleierten meine Sicht noch mehr. Meine Hände zitterten, als sie schützend zu meinem Bauch wanderten. „Ich dachte, du hättest mich geheiratet, weil du etwas für mich empfindest.“
„Ich habe dich geheiratet, weil es eine Bedingung meines Vaters war. Jetzt, wo er tot ist, muss ich mir diese Abscheulichkeit nicht länger antun.“
„Abscheulichkeit?“, flüsterte ich. Eine Träne rann über meine Wange, und jedes Mal, wenn ich Daren Holloways spöttisches Lächeln sah, versetzte es meinem Herzen einen weiteren schmerzhaften Stich.
„Das Bett mit dir zu teilen, Liebes!“, entgegnete Daren in einem derart beiläufigen Tonfall, dass es fast nicht wie eine Beleidigung klang. Dann trat er auf mich zu und drückte mir einen bitteren Kuss auf die Lippen.
„Du hast danach nie wieder mit mir geschlafen! Wovon redest du da?“
Daren stieß ein düsteres Lachen aus, das meinen ganzen Körper erzittern ließ. Ich war auf diesen Tag nicht vorbereitet gewesen, und nichts auf der Welt hätte mich auf das vorbereiten können, was Daren mir nun an den Kopf warf.
„Ich rede vom buchstäblichen Schlafen, Livy. Was du nur für eine verdorbene Fantasie hast. Glaubst du ernsthaft, ich würde jemals Sex mit dir haben? Das wäre gelinde gesagt widerlich …“
Ich blickte an mir herab auf meinen Bauch, während eine weitere Träne fiel. Unsere erste gemeinsame Nacht war so zärtlich gewesen, und es hatte keine Rolle gespielt, dass ich schüchtern oder naiv war. Es war egal gewesen, wie sehr ich mich für meinen Körper schämte oder wie unbeholfen und unattraktiv ich mich fühlte; Daren hatte mich so behutsam behandelt, dass ich dachte, ich würde träumen.
Ich hob erneut den Kopf und sah ihm fest in die Augen. „Wie kannst du so etwas sagen? Siehst du denn nicht, dass wir ein Baby bekommen? Das kannst du unmöglich abstreiten.“
Daren lachte erneut auf, sah zu seiner Geliebten und wandte sich dann wieder mir zu. „Das bringt mich zu einer ganz anderen Frage!“ Er schlenderte zum Schreibtisch, nahm Mailas Hand und setzte sich lässig auf die hölzerne Tischplatte. „Wer ist der Vater?“
„Was?“, stieß ich hervor. Meine Augen weiteten sich ungläubig, und mein Gesicht wurde so kreidebleich wie der Tod.
„Du hast mich sehr gut verstanden, Livy Clarke. Ich habe gefragt, von wem dieses Baby in deinem Bauch ist!“
„Es ist dein Kind!“, spie ich die Worte förmlich aus, und in meiner Stimme schwang so viel aufgestaute Empörung mit, dass Daren unwillkürlich zurückwich, bevor er sein überhebliches Grinsen wiederfand.
Dieser verdammte Daren Holloway. Meine Gedanken kehrten unweigerlich zu den romantischen Momenten jener Nacht zurück. Seine leicht angetrunkene Stimme, die mich anflehte, seinen Namen zu stöhnen. Sein nackter Körper, der sich an meinen drängte. Nein! Das würde er mir nicht antun. Er würde nicht so schamlos lügen, nur um einer verdammten Frau zu gefallen!
„Das kannst du nicht mit mir machen! Du kannst mich und unser Baby nicht einfach so abservieren, als wären wir ein Nichts! Du weißt genau, dass ich noch Jungfrau war, bevor ich dich traf.“
„Das kann ich mir gut vorstellen. Mir fällt beim besten Willen niemand ein, der jemals Verlangen nach so etwas wie dir verspüren könnte.“
Mein Herz raste so heftig, dass es mir fast die Brust zu sprengen drohte. Mit dem Zeigefinger schob ich meine Brille auf der Nase nach oben, die fast unter dem Pony auf meiner Stirn verschwand. Ich schluckte den Schmerz hinunter, der sich wie ein dicker Kloß in meinem Hals festgesetzt hatte.
„Das Baby gehört mir, Daren Holloway. Mir ganz allein!“
„Hervorragend. Denn ich weiß genau, dass ich nie mit dir im Bett war. Ich war die ganze Nacht bei Maila, und du weißt, dass ich es nicht über mich bringen würde, dich auch nur anzufassen.“
„Hast du mich nur hierherbestellt, um mir das zu sagen?“
„Ich habe dich herbestellt, damit du die Scheidungspapiere unterschreibst. Und du wirst natürlich keinen einzigen Cent von mir sehen.“
Ich griff nach dem Stift, angetrieben von purem Hass und dem letzten Rest Würde, der mir noch geblieben war. „Keine Sorge. Jeden einzelnen Cent kannst du dir in den Arsch schieben!“
„Meine Güte, was für ein schmutziges Mundwerk!“, mischte sich Maila ein und durchbrach das Schweigen.
„Bei mir ist wenigstens nur der Mund schmutzig. Und wie sieht es bei dir aus?“
Ich setzte meine Unterschrift schwungvoll unter das Dokument und wandte mich ab, um schnellen Schrittes zu verschwinden. „Leb wohl!“
„Warte!“, rief Daren. Er kam auf mich zu und zückte seine Brieftasche. „Nimm das. Es sind fünftausend. Das sollte für die Abtreibung dieses Bastards reichen!“
Meine Hand klatschte schallend gegen seine Wange, und das war die letzte Erinnerung, die ich ihm hinterließ, bevor ich endgültig verschwand.







