Kapitel 7

Der Nachmittag war drückend, und die Luft roch nach feuchter Erde nach dem Regen am Morgen. Paolo ging den kleinen Pfad hinter dem Haus entlang, mit einer Axt auf der Schulter und einem Seilkorb in der anderen Hand. Die Bäume des kleinen Waldes flüsterten im leichten Wind, und das Sonnenlicht fiel in gebrochenen Strahlen durch die Blätter.

Er mochte diesen Ort. Er mochte das Gefühl, dass ihn hier niemand für Erinnerungen zur Rechenschaft zog, die er nicht hatte. Es war nur er, das Rascheln der Blätter, der Geruch von Holz — und die Gedanken an Alya, die wahrscheinlich in der Apotheke Medikamente sortierte oder Bestellungen notierte.

— Noch zwei Stämme, dann reicht’s. — sagte er zu sich selbst und ließ die Axt in ein weiteres Stück Holz sausen.

Als er fertig war, band er das Holz zusammen und machte sich auf den Rückweg über den hinteren Pfad zum Haus. Schon von Weitem konnte er das schlichte Dach sehen und den dünnen Rauch, der aus dem Schornstein aufstieg. Für einen Moment wirkte alles normal. Fast perfekt.

Doch Alya spürte drinnen etwas anderes. Sie stand in der Küche und wischte die Arbeitsfläche ab, als eine Bewegung draußen ihre Aufmerksamkeit erregte. Als sie aufblickte, sah sie ein schwarzes Auto auf der Schotterstraße stehen, etwas entfernt, nahe der Einfahrt des Grundstücks. Die getönten Scheiben ließen nicht erkennen, wer darin saß.

Ein Schauder lief ihr über den Rücken.

— Wie seltsam… — murmelte sie und drückte das Geschirrtuch in ihren Händen zusammen.

Es war nicht üblich, dort Autos zu sehen. Die Straße war fast immer verlassen, höchstens fuhr ab und zu ein Nachbar mit einem alten Pickup vorbei, mit dem Fahrrad oder einem lauten Motorrad. Aber dieses Auto… wirkte fehl am Platz. Zu groß, zu teuer für diese einfache Gegend.

Alya trocknete sich hastig die Hände an der Hose und trat vorsichtig näher ans Fenster. Sie streckte sich ein wenig, um besser sehen zu können. Das Auto stand noch immer dort, der Motor lief, eine unangenehme Präsenz am Straßenrand. Ihr Magen zog sich zusammen.

— Da ist jemand draußen… — flüsterte sie mehr zu sich selbst als zu irgendwem.

In diesem Moment kam Paolo bereits durch den Garten, den Korb mit dem Holz auf einem Arm. Als er sich der Hintertür näherte, hörte er den seltsamen Ton in ihrer Stimme.

— Alya? — rief er und stieß die Tür mit dem Fuß auf — Was ist los?

Sie drehte sich schnell um, die Augen erschrocken.

— Da steht ein Auto auf der Straße. Schwarz. Es ist schon seit ein paar Minuten da. — sagte sie und deutete zum Fenster — Ich kenne es nicht.

Paolo stellte den Korb neben der Tür ab und ging zum Fenster, ohne sichtbare Eile, aber mit wachem Blick. Er trat näher, neigte sich leicht vor, um besser sehen zu können.

Das Auto stand noch immer da. Motor an. Scheiben geschlossen. Irgendetwas tief in seiner Brust regte sich. Er konnte nicht sagen, was.

— Bleib hier drin. — sagte er, ohne den Blick von der Straße zu nehmen.

— Paolo, nein…

— Alya. — wiederholte er und sah sie nun an — Bleib. Schließ die Hintertür ab. Wenn ich merke, dass etwas nicht stimmt, komme ich sofort zurück.

Sie zögerte einen Moment, doch der Ton seiner Stimme ließ sie gehorchen. Paolo hatte eine seltsame Art, gleichzeitig ruhig und bestimmt zu sein. Als wäre er daran gewöhnt, schnell Entscheidungen zu treffen.

Er ging zur Haustür hinaus und schloss sie vorsichtig hinter sich. Die Sonne brannte, doch ein kalter Wind zog durch seine Brust. Seine Schritte waren zunächst langsam, als wollte er keine Aufmerksamkeit erregen. Doch innerlich beschleunigte sich etwas.

Das schwarze Auto wirkte aus der Nähe noch bedrohlicher. Der Lack glänzte zu stark für diese einfache Umgebung aus Erde und Gestrüpp.

Paolo machte noch ein paar Schritte in Richtung Tor. Als er gerade den Mund öffnen wollte, ohne zu wissen, was er sagen sollte, setzte sich das Auto in Bewegung.

Das Motorengeräusch wurde lauter. Der Wagen fuhr langsam an und entfernte sich. Nicht schnell genug, um auffällig zu wirken, nicht langsam genug, um unentschlossen zu erscheinen. Er fuhr einfach… davon.

Er verfolgte das Auto mit dem Blick, bis es in einer Kurve der Straße verschwand. Dann blieb er einige Sekunden reglos stehen, die Hand am Tor, als bräuchte er Halt, um nicht zu fallen.

Ein Schmerz pochte in seinem Nacken. Eine scharfe Spitze. Dann noch eine. Bruchstückhafte Bilder flackerten hinter seinen Augen auf, als würde jemand ein Licht in seinem Kopf an- und ausschalten.

Ein dunkler Flur. Ein weiteres schwarzes Auto. Verschwommene Gesichter. Schreie. Blut. Sehr viel Blut. Sein Atem stockte.

— Nein… — flüsterte er und presste beide Hände gegen den Kopf.

Er versuchte, einen Schritt zurück zum Haus zu machen, doch der Schmerz wurde stärker, wie ein innerer Schlag.

Seine Knie gaben nach. Paolo sank zu Boden und stützte sich mit einer Hand ab, um nicht mit dem Gesicht in die Erde zu fallen. Schweiß lief ihm über die Stirn, trotz des Windes.

In der Küche sah Alya, die kein Auge vom Fenster ließ, genau den Moment, in dem er ins Taumeln geriet.

— Paolo! — der Name brach wie ein erstickter Schrei aus ihr heraus.

Sie ließ das Geschirrtuch fallen und rannte los, ihr Herz raste. Sie riss die Tür so heftig auf, dass sie gegen die Wand schlug.

— Paolo!

Er kniete nahe dem Tor, eine Hand am Nacken, die andere in die Erde gepresst.

— Seltsame Bilder… — murmelte er, die Stimme rau und abgehackt — Blut… Schreie…

Als sie näher kam, sah er sie an — und in seinen Augen lag etwas anderes. Es war nicht nur körperlicher Schmerz. Es war Angst. Eine Angst, die nicht zu dem sanften Mann passte, den er ihr jeden Tag zeigte.

— Ich… ich habe eine Waffe gehalten? — fragte er, kaum bewusst, dass er laut sprach.

Die Frage traf sie wie ein Schlag. Für einen Moment erstarrte Alya. Sie sah diesen großen Mann vor sich, kniend im Dreck, mit verlorenem Blick. Das Wort „Waffe“ hallte in ihrem Kopf nach.

Sie kniete sich schnell vor ihn und nahm sein Gesicht in beide Hände.

— Hey, sieh mich an. — sagte sie fest — Paolo. Atme. Das war nur eine Erinnerung. Ein wacher Albtraum oder so. Ruhig.

Er schloss die Augen fest und atmete tief durch, versuchte, sich auf ihre Stimme zu konzentrieren. Nach und nach wurde das Dröhnen seines Herzschlags leiser. Der Schmerz ebbte ab, wie eine Welle, die sich zurückzieht.

— Ich habe gespürt… — flüsterte er noch immer außer Atem — ich habe gespürt, dass… es echt war. Es fühlte sich nicht wie ein Traum an.

— Schh. — Alya strich mit dem Daumen über seine warme Haut — Komm, wir gehen rein. Du solltest hier draußen nicht stehen und zusammenbrechen. Komm.

Mit Mühe kam er wieder auf die Beine, stützte sich mehr auf sie, als ihm lieb war. Alya führte ihn zurück ins Haus und schloss das Tor mit dem Fuß. Das schwarze Auto war verschwunden, doch das Gefühl, beobachtet zu werden, klebte noch immer wie eine kalte Hand in ihrem Nacken.

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