Die Mutter meiner Kinderzurückerobern
Die Mutter meiner Kinderzurückerobern
Por: Rosana Lyra
Kapitel 1

Der Regen fiel in dieser Nacht heftig. Alya hielt das Lenkrad fest umklammert und versuchte, die Straße zu erkennen, die unter den Wassermassen fast unsichtbar geworden war. Die Scheibenwischer schienen nutzlos gegen die Ströme, die unaufhörlich herabprasselten und den Asphalt in einen flüssigen Spiegel verwandelten.

Die Müdigkeit lastete schwer auf ihren Armen, und ihr Kopf wiederholte immer denselben Gedanken:

— „Ich hätte zu Hause bleiben sollen.“

Doch der Anruf ihrer Mutter, Stunden zuvor, in dem sie um Hilfe mit den Medikamenten gebeten hatte, ließ sie ohne zu zögern aufbrechen. Jetzt, allein auf dieser verlassenen Straße, bereute sie es zutiefst.

Plötzlich erhellten die Scheinwerfer ihres Autos etwas mitten auf der Fahrbahn. Ein Schatten. Ein regloser Körper.

Alya trat auf die Bremse, und der Wagen geriet kurz ins Schleudern, bevor er wenige Meter vor der Gestalt zum Stehen kam. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals.

Sie öffnete die Tür, und der kalte Regen peitschte ihr ins Gesicht. Das Wasser durchnässte ihre Kleidung, während sie auf den Körper am Boden zulief. Es war ein Mann. Blut vermischte sich mit der schlammigen Pfütze um ihn herum, und der Kontrast zwischen dem Rot und der schwarzen Nacht ließ Alyas Magen sich zusammenziehen.

— Hören Sie mich? — fragte sie und kniete sich neben ihn. — Hey…

Vorsichtig drehte sie ihn um. Sein Gesicht war schmutzig, verletzt und bleich. Doch selbst so hatte er etwas Auffälliges an sich, markante Züge, ein starkes Kinn, ein Gesicht, das für Gefahr gemacht schien.

— Ich heiße Alya, ja? — flüsterte sie und versuchte, seinen Atem zu prüfen. — Wie heißen Sie?

Er brachte nur ein schwaches Geräusch hervor, seine Stimme zu rau, um Worte zu formen. Für einen Moment öffneten sich seine Augen, graue, intensive Augen, verloren zwischen Leben und Tod.

— Alya… — hauchte er, bevor er wieder bewusstlos in ihren Armen zusammensank.

Alya erstarrte. Ihr Herz raste, ihr Kopf drehte sich, doch ihre Hände handelten. Sie presste ein Stück ihrer eigenen Bluse auf die Wunde an seinem Bauch.

— Bleiben Sie bei mir, bitte. — Sie sah sich um. — Lassen Sie mich Sie nicht hier zurücklassen.

Die Zeit schien stillzustehen. Der Geruch des Regens, der Schmerz in ihrer Brust, das ferne Grollen des Donners, alles wurde bedeutungslos. Es gab nur sie und diesen Fremden, der vor ihr verblutete.

Alya blickte zum Auto und dann wieder zu ihm. Sie war allein, und wenn sie nichts tat, würde er sterben. Es gab keine Zeit, auf einen Krankenwagen zu warten. Kein Mensch weit und breit auf dieser Straße.

Mit einem angestrengten Stöhnen zog sie ihn zum Wagen. Sein Körper war schwer, er war viel größer als sie, Wärme und Blut klebten an ihren Händen. Jede Bewegung schien unmöglich, doch sie gab nicht auf. Schließlich gelang es ihr, ihn auf den Rücksitz zu legen. Sein Atem war schwach, aber vorhanden.

— Halten Sie durch, ja? — flüsterte sie außer Atem, bevor sie die Tür schloss und zum Fahrersitz lief.

Das Geräusch des Motors hallte durch die Dunkelheit. Alya fuhr schnell, jede Kurve war eine Herausforderung, jeder Lichtstrahl eine Warnung vor Gefahr. Ihr Herz schlug so laut, dass es den Regen übertönte.

Als sie endlich ihr kleines Haus erreichte, zeigte die Uhr fast Mitternacht. Der Sturm tobte noch immer draußen. Alya öffnete das Holztor, parkte hastig und lief zur Haustür.

Dann rannte sie zurück zum Auto und zog den Unbekannten mit derselben Mischung aus Vorsicht und Verzweiflung ins Haus. Sie legte ihn auf das Sofa im Wohnzimmer, das sich sofort mit Blut färbte.

— Mein Gott… — flüsterte sie erschrocken. — Was ist mit Ihnen passiert?

Sie lief ins Badezimmer, holte eine alte Kiste mit Mullbinden, Schere und Desinfektionsmittel, Überbleibsel aus der Zeit, als sie als Pflegehelferin gearbeitet hatte.

Vorsichtig entfernte Alya den mit Schlamm und Blut durchtränkten Stoff. Die Wunde am Bauch war tief, aber nicht tödlich, wenn sie richtig behandelt wurde. Sie reinigte sie, nähte sie sorgfältig und wechselte mehrmals den Verband.

Sein Gesicht war nun sauber und offenbarte markante, fast schöne Züge. Der ungepflegte Bart gab ihm ein raues Aussehen, doch der Blick, den sie zuvor gesehen hatte, wirkte trotz allem ruhig.

Die Uhr zeigte bereits nach zwei Uhr morgens. Alya wusch sich die Hände und blieb stehen, betrachtete ihn im Halbdunkel. Ihr Haus war schlicht… ein Sofa, ein kleiner Tisch, ein alter Vorhang, der sich im Wind bewegte, der durch das Fenster drang. Und mitten darin dieser große, geheimnisvolle Mann — fast wie eine Erscheinung.

Ein Schauer lief ihr über den Rücken.

— Wer sind Sie? — fragte sie leise. — Ein Engel… oder ein Problem?

Die Antwort kam nur im Geräusch des Regens auf dem Dach.

Die Zeit verging langsam. Alya wechselte den feuchten Verband auf seiner Stirn, überprüfte seinen Atem, richtete das Kissen. Ab und zu stöhnte er leise, bewegte den Kopf, als würde er in seinen Träumen vor etwas fliehen.

Sie nahm eine Decke und legte sie vorsichtig über ihn, damit er nicht auskühlte. Dann zündete sie eine Kerze an und setzte sich auf den Boden, an die Wand gelehnt, und beobachtete ihn.

Es war etwas Unruhiges an ihm — und zugleich etwas Hypnotisches. Er wirkte wie jemand, der eine viel zu schwere Geschichte mit sich trug und dennoch vollkommen verletzlich in ihrem Wohnzimmer lag.

Für einen Moment verlor sich Alyas Blick in den Flammen der Kerze.

Sie fragte sich, ob er eine Familie hatte. Jemanden, der auf ihn wartete. Jemanden, der ihn liebte. Oder ob er zu den Männern gehörte, nach denen niemand suchen würde, wenn sie verschwanden.

Sie seufzte müde.

— Wenn ich wüsste, wer Sie sind, wüsste ich vielleicht, was ich tun soll — murmelte sie, während sie ihn ansah. — Aber im Moment… müssen Sie wohl bei mir bleiben. Zumindest, bis Sie wieder aufstehen können.

Alya blieb dort sitzen, wartete und betete leise, dass er überleben würde. Der Sturm draußen ließ nach, und die Blitze entfernten sich. Das Geräusch des Regens verwandelte sich in ein sanftes Tropfen auf dem Dach.

Sie stand auf und hielt sein Gesicht näher ins Licht der Kerze. Die Konturen seines Kiefers, die langen Wimpern, der tiefe Atem. Er wirkte wie ein Mann aus Stärke und Geheimnissen.

Alya schluckte. Ein hartnäckiger Gedanke schoss ihr durch den Kopf:

— „Was mache ich hier eigentlich?“ — doch ihr Herz antwortete schneller als ihr Verstand — „Ich rette ein Leben.“

Sie zog die Vorhänge zu, nahm einen Stuhl und setzte sich neben das Sofa. Die Stille wurde nur vom Wind und seinem leisen Atem unterbrochen.

— Sie werden leben… das verspreche ich. — flüsterte sie schläfrig und legte den Kopf in ihre Hände.

Ohne es zu merken, schlief sie dort ein.

Draußen erhellte der letzte Blitz für einen Moment das Gesicht des Mannes. Für einen Augenblick wirkten seine Züge hart, beinahe bedrohlich, und zugleich so verletzlich wie die eines schlafenden Kindes.

Alya wusste es nicht, doch diese Entscheidung, anzuhalten und einen Fremden zu retten, würde alles verändern.

Und in dieser Nacht, während die Welt schlief, begann das Schicksal bereits, die ersten Züge zu machen, die ihre Leben für immer miteinander verbinden würden.

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