Mundo de ficçãoIniciar sessãoRafaela kann kaum glauben, was sie sieht. Der Mann, mit dem sie eine wundervolle Nacht verbracht hat, ist niemand anderes als ihr neuer Chef Ethan Smith.
„Was redest du da, Rafa?", fragt Kate, die noch immer nichts versteht. Doch Rafaela kann nicht antworten. Ihre Augen sind auf Ethan gerichtet, der in diesem Moment die Bühne betritt und das Mikrofon nimmt, um zu sprechen.
„Ich danke Ihnen allen, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mich willkommen zu heißen. Ich zähle auf Ihre Hilfe und Zusammenarbeit, damit wir dieses Immobilienunternehmen auch weiterhin zum besten des Landes machen."
Nach seiner Rede nähert sich die Abteilungsleiterin mit einem Blumenstrauß, den sie dem neuen Direktor als Willkommensgruß überreichen möchte. Ethan erstarrt einen Augenblick lang, und plötzlich suchen seine Augen im Zuschauerraum nach Rafaela. Als er sie entdeckt, wirft er ihr einen rätselhaften Blick zu.
„Er ist allergisch gegen Blumen", flüstert Rafaela.
„Was?", fragt Kate verwirrt.
Ohne zu antworten, steht Rafaela sofort auf, rennt auf die Bühne und nimmt der Abteilungsleiterin die Blumen aus der Hand. Ihr Verhalten zieht die Aufmerksamkeit aller auf sich, doch niemand sagt ein Wort. Nur vereinzeltes Flüstern ist zu hören.
„Überlassen Sie das ruhig mir. Ich stelle sie in eine Vase", sagt Rafaela und versucht, ihr Verhalten zu erklären.
Mit dem Blumenstrauß in der Hand verlässt sie den Saal und sucht nach einem Platz für die Blumen.
„Das kann nicht sein ...", murmelt sie, während sie die Blumen in eine Vase auf ihrem Schreibtisch stellt. „Das kann mir unmöglich passieren. Von allen Männern auf der Welt musste es ausgerechnet er sein?" Ihr Gewissen belastet sie, denn die vergangene Nacht hat ihr wirklich gefallen.
„Worüber beschweren Sie sich?" Ethans tiefe Stimme lässt ihr beinahe die Seele aus dem Leib fahren. Er ist aufgetaucht, ohne dass sie es bemerkt hat.
Wie soll sie ihm nach allem, was geschehen ist, in die Augen sehen?
Und es gibt noch ein größeres Problem: Obwohl sie betrunken gewesen ist, erinnert sie sich daran, dass sie sich über ihre Arbeit und ihren Chef beschwert hat ... bei ihrem eigenen Chef.
„Über nichts, Sir", antwortet sie und vermeidet es, ihn anzusehen.
„Haben Sie die Ordner sortiert, um die ich Sie gebeten habe?", fragt er.
„Ja, sie sind alle wie gewünscht alphabetisch geordnet", antwortet sie.
„Bringen Sie mir meinen Kaffee", befiehlt Ethan und betritt sein Büro.
Rafaela kann nicht begreifen, wie der liebevolle und charmante Mann der vergangenen Nacht derselbe kalte und ernste Mann sein kann, der jetzt vor ihr steht.
Sie nimmt den Aufzug hinunter in die Eingangshalle und begegnet dort Kate, die in der Personalabteilung arbeitet.
„Da bist du ja. Was war das vorhin?", fragt Kate verwirrt.
„Du hast keine Ahnung, wie geliefert ich bin", sagt Rafaela und nimmt die Hand ihrer Freundin. „Der Mann, mit dem ich die Nacht verbracht habe, ist Mr. Ethan", flüstert sie.
„Was?" Kates Stimme hallt durch die Eingangshalle und sorgt dafür, dass sich alle nach ihnen umdrehen.
„Sprich leiser, um Gottes willen", bittet Rafaela. „Ich hole gerade seinen Kaffee. Komm mit."
Die beiden verlassen das Unternehmen und gehen in das Café nebenan. Da Ethan keine genaue Bestellung aufgegeben hat, geht Rafaela davon aus, dass er jede Art von Kaffee trinken würde, solange dieser selbstverständlich keinen Zucker enthält.
„Willst du mir gerade sagen, dass du mit deinem Chef geschlafen hast?", hakt Kate nach.
„Ich wusste nicht, dass er es war." Rafaela zieht die Augenbrauen zusammen.
„Wie bitte? Willst du mir etwa erzählen, dass du mit jemandem geschlafen hast und es nicht einmal für nötig gehalten hast, ihn nach seinem Namen zu fragen?", fragt Kate, erhält als Antwort jedoch nur das Schweigen ihrer Freundin. „Du willst mich auf den Arm nehmen, oder?"
„Amiga, ich war betrunken, und er war so wunderschön" – als würde das ihre Verantwortungslosigkeit rechtfertigen –, „dass ich dachte, er würde mir seinen Namen später verraten", erklärt sie.
„Aber dann konntest du dich nicht beherrschen und hast ihm gleich deine Zunge in den Hals gesteckt?", fragt Kate lachend.
„Lach nicht, es ist ernst", bittet Rafaela.
„Na schön. Aber was hat er heute zu dir gesagt, als ihr zusammen aufgewacht seid?"
„Als ich aufgewacht bin, war er bereits verschwunden. Er hat lediglich die Rechnung für das Zimmer bezahlt. Und als ich im Unternehmen ankam, hat er nichts gesagt ... Um ehrlich zu sein, wirkte es, als könnte er sich nicht einmal daran erinnern, was passiert ist."
„Dann mach es genauso wie er", schlägt Kate vor. „Du wirst deswegen doch nicht kündigen, oder?"
„Natürlich nicht", antwortet Rafaela.
„Tu so, als wäre nichts passiert, und bleib standhaft", rät Kate. „Ach, und jetzt, da du in einer anderen Abteilung arbeiten wirst, wird dein Vertrag geändert. In zwei Wochen musst du neue Untersuchungen machen lassen."
„Muss ich wirklich neue Untersuchungen machen lassen?"
„Das ist Vorschrift", antwortet Kate.
Zurück im Unternehmen klopft Rafaela an die Tür von Ethans Büro und wartet auf seine Erlaubnis, einzutreten.
„Hier ist Ihr Kaffee, Sir", sagt sie und serviert ihn.
„Warum waren Sie zu spät?", fragt er.
„Die Schlange war ein kleines bisschen lang", lügt Rafaela, weil sie nicht verraten möchte, dass sie mit ihrer Freundin getratscht hat.
„Ich spreche nicht von jetzt. Warum haben Sie heute Morgen verschlafen?"
Die Frage ergibt keinen Sinn. Natürlich ist es falsch von Rafaela gewesen, unter der Woche auszugehen und mehr zu trinken, als sie sollte, doch er hat das Zimmer verlassen, ohne sie auch nur zu wecken.
„Ich habe verschlafen", antwortet sie verlegen.
„Sie sollten unter der Woche nicht ausgehen, wenn Sie am nächsten Tag Verpflichtungen haben", sagt Ethan, ohne irgendeine Regung zu zeigen.
„Sie haben recht", ist alles, was sie sagen kann. „Das wird nicht wieder vorkommen. Wenn Sie nichts weiter wünschen, kehre ich an meinen Schreibtisch zurück", sagt sie und dreht sich um, um hinauszugehen.
„Warten Sie", unterbricht Ethan sie und bringt sie damit zum Stehen. „Das wird tatsächlich nicht wieder vorkommen. Und gehen Sie das nächste Mal nicht herum und erzählen Sie, Ihr Chef sei der Teufel oder würde sich seltsam verhalten. Das könnte Ihnen eine fristlose Kündigung einbringen."
Rafaela reißt ungläubig die Augen auf.
„Wussten Sie, dass ich Ihre Sekretärin bin?", fragt sie.
„Natürlich. Ich wollte Ihnen lediglich eine Lektion erteilen", antwortet Ethan mit einem zynischen Lächeln im Gesicht. „Ich werde so tun, als wäre nichts geschehen, damit wir harmonisch zusammenarbeiten können. Was halten Sie davon?"
Rafaela explodiert innerlich. Wie kann dieser Mann es wagen, all das vorsätzlich zu tun? Sie atmet tief durch, bevor sie etwas erwidert. Schließlich muss sie die Wohnung abbezahlen, die sie gemeinsam mit Kate gekauft hat, und diese Arbeit ist sehr wichtig für sie. Außerdem würde Ethan, wenn sie kündigte, glauben, dass es ihm gelungen sei, ihr Selbstvertrauen zu erschüttern.
„Natürlich. Wenn Sie das Thema nicht erwähnt hätten, könnte ich mich nicht einmal mehr an eine so unbedeutende Nacht erinnern", antwortet sie, verlässt den Raum und lässt Ethan mit einem verwirrten Gesichtsausdruck zurück.







